Nahtmaterial in der Oralchirurgie – resorbierbar oder nicht-resorbierbar?

, Von SurgicMate Redaktion, 2 Min. Lesezeit

Resorbierbar oder nicht-resorbierbar? Ein kompakter Überblick über Fadentypen, Resorptionszeiten und den aktuellen Studienstand zur Nahtmaterial-Auswahl in der dentoalveolären Chirurgie – für Fachkreise.

Fachbeitrag für Fachkreise. Dieser Artikel dient der fachlichen Information und stellt keine Behandlungsempfehlung dar.

Die Wahl des Nahtmaterials ist in der Oralchirurgie mehr als eine Gewohnheitsentscheidung. Sie beeinflusst Wundheilung, Gewebereaktion, bakterielle Besiedlung und den Aufwand in der Nachsorge. Dieser Überblick fasst die wichtigsten Materialklassen und den aktuellen Studienstand zusammen.

Resorbierbar vs. nicht-resorbierbar

Resorbierbare Fäden werden vom Körper hydrolytisch oder enzymatisch abgebaut und machen eine Nahtentfernung überflüssig. Sie sind in der modernen dentoalveolären Chirurgie häufig die erste Wahl – besonders dort, wo eine Entfernung schwierig ist oder ein zweiter Termin vermieden werden soll.

Nicht-resorbierbare Fäden (z. B. Nylon/Polyamid, PTFE, Seide) bleiben stabil und müssen entfernt werden. Sie werden bevorzugt, wenn eine längere, definierte Nahtstabilität gefragt ist.

Resorptionszeiten im Überblick

Eine klinische Untersuchung zur Verweildauer resorbierbarer Fäden in der Mundschleimhaut ergab folgende mediane Überlebenszeiten:

  • Catgut: ca. 4 Tage
  • Polyglykolsäure (PGA): ca. 15 Tage
  • Polyglactin 910: ca. 28 Tage

Diese Werte sind Orientierungsgrößen – die tatsächliche Verweildauer hängt von Lokalisation, Spannung und individueller Wundheilung ab.

Monofil oder polyfil?

Monofile Fäden (ein Filament) zeigen tendenziell geringere bakterielle Anlagerung als polyfile, geflochtene Fäden, da diese durch Kapillarwirkung Keime aufnehmen können. In vergleichenden Untersuchungen wiesen monofile synthetische Fäden eine mildere Gewebereaktion und geringere mikrobielle Besiedlung auf. Eine aktuelle randomisiert-kontrollierte Studie fand für monofiles Nylon gegenüber PTFE ein besseres Handling, eine geringere bakterielle Besiedlung und eine mildere Entzündungsreaktion.

Gleichzeitig zeigen systematische Übersichtsarbeiten, dass praktisch alle untersuchten Materialien – Catgut, PGA, Nylon, PTFE und Seide – in unterschiedlichem Maß bakterielle Adhäsion und Gewebereaktion auslösen. Seide schneidet dabei hinsichtlich Keimbesiedlung meist am ungünstigsten ab.

Praktische Auswahlkriterien

  • Heilungsdauer der Region: Wie lange muss der Faden halten?
  • Zugänglichkeit: Ist eine Nahtentfernung praktikabel?
  • Gewebereaktion & Keimbesiedlung: monofil bevorzugt bei erhöhtem Infektionsrisiko.
  • Handling & Knotensicherheit: geflochtene Fäden bieten oft besseren Halt, monofile weniger Docht-Effekt.
  • Fallspezifik & Erfahrung: Die individuelle Situation und die Präferenz des Operateurs bleiben entscheidend.

Fazit

Es gibt nicht das eine beste Nahtmaterial. Resorbierbare, monofile synthetische Fäden decken viele Standardsituationen in der Oralchirurgie gut ab, während nicht-resorbierbare Optionen bei längerer Stabilität ihre Berechtigung behalten. Die fundierte Auswahl nach Indikation, Gewebe und Fallbild bleibt Kern der chirurgischen Entscheidung.


Quellen: Prospektive klinische Untersuchung zur Verweildauer resorbierbarer Nähte in der Mundschleimhaut (ScienceDirect); Systematic Review „Characteristics of Suture Materials Used in Oral Surgery" (PMC9275112); randomisiert-kontrollierte Studie zur mikrobiellen Besiedlung und Gewebereaktion dreier Nahtmaterialien (PMC12729719); StatPearls „Oral Surgery Suturing" (NCBI).

Hinweis: Beitrag für Fachkreise. Keine Heilversprechen; Angaben ersetzen keine individuelle klinische Beurteilung.

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